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Rovigo wird das erste Mal im Jahr 838 mit dem Namen “Rodigo” und dann als “Rudi” und “Ruuigo” erwähnt; es scheint, als ob der Ortsname mit dem germanischen Namen “Hrodico” zusammenhinge. Laut der Gelehrten der Vergangenheit jedoch stammt der Name vom Griechischen “rhodon” (Rose) ab, der Tradition entsprechen trägt Rovigo den Titel “Die Stadt der Rosen”. Es gibt sehr wenige historische Artefakte, die uns aus der Antike erhalten geblieben sind, aber es ist sicher, dass das Gebiet mit den antiken Venezianern und später den Römern verkehrt hat.
Das erste, historisch sichere und verläßliche Dokument über die Stadt ist also das vom 24. April 838, wo Rovigo in Lateinisch “Villa que nuncupatur Rodigo”, das heißt: “das Dorf, das Rodigo genannt wird”. Im Jahr 920 ließ der Bischof von Adria Paolo Cattaneo ein Fort in diesem Dorf bauen, um zeitweilig den bischöflichen Sitz hierher zu verlegen. Das geschah, um sich vor den ungarischen Überfällen in Sicherheit zu bringen. Diese erste Befestigung wurde 954 fertiggestellt.

Die Estenesi waren in Rovigo schon 1117 präsent und es waren warscheinlich sie, die den Ausbau der Befestigungsanlage im 12. Jahrhundert förderten, als die Siedlung Rovigo sich schon auf beiden Seiten des Flusses “Adigetto” ausbreitete, der zu jener Zeit ein richtiger Fluss war. Der Burgfried der Befestigung, auch unter dem Namen: “Torre Donà” bekannt, ist 66 Meter hoch und einer der höchsten, mittelalterliche Türme Italiens und sicherlich der größte gemauerte Turm seiner Epoche. Die Herrschaft der Estenesi über Rovigo wurde vom Kaiser des Heiligen römischen Reiches Enrico VI 1194 bestätigt, indem er Azzo VI zum Grafen von Rovigo ernannte. Ausser kurzer Unterbrechungen war Rovigo für drei Jahrhunderte Teil von Este.
Das 15.Jh war für Rovigo und das ganze Polesine eine leidgeprüfte Zeit, weil die Venezianischen Republik dieses Gebiet für sich beanspruchte und begann sich auf dem Festland auszubreiten. Während der Vorkommnisse des Salzkrieges marschierten die Venezianer 1482 definitiv in Rovigo ein und behielten, bis auf eine kurze Episode der Liga von Cambrai (1508 – 1511), die Herrschaft für etwa drei Jahrhunderte. Um Rovigo den Stempel der Republik aufzudrücken wurde der Piazza Maggiore (der Hauptplatz, der heute Piazza Vittorio Emanuele II heißt) gebaut. Dazu kam dann der städtische Turm, in den die Glocke überführt wurde, die einst im Bergfried der Burg schlug; im Jahr 1519 wurde schließlich noch die Säule mit dem Markuslöwen errichtet.

Ende des 16.Jh feierte die Serenissima ihre Herrschaft indem sie den Tempel der Heiligen Jungfrau der Hilfe bauen ließ, der auch unter dem Namen “Rotonda” (Die Runde Kirche) bekannt ist. Das Projekt wurde von Francesco Zamberlan, einem Bewohner der Tiefebene (Bassa) durchgeführt und wurde in seinem Inneren mit Gemälden von hohem, künstlerischen Wert geschmückt. Auf ihnen werden allegorisch die Besitztümer der Venezianer dargestellt, die bis 1660 über Rovigo herrschten.
Während des 18.Jh wurde der Dom vergrößert, dessen Fassade aber unvollendet blieb; das private Baugewerbe brachte kleine Meisterwerke hervor, wie den “Palazzo Roncale” und den “Palazzo Angeli”. In dieser Zeit fing die Ortschaft S.Bortolo an, seine Identität als Vorstadtviertel auszubauen.
Rovigo behielt seinen fünfeckigen Grundriß mit der Ringmauer bei und wurde von dem Fluß Adigetto durchschnitten (der in den Jahrhunderten allerdings an Wichtigkeit verlor).
Anfang des 19.Jh bekam Rovigo, nach dem Fall der Venezianischen Republik und dem Errichten der französischen Herrschaft, einen erneuten sozialen und kulturellen Impuls zum Wachstum und zur Entwicklung. Auf dem Piazza Maggiore fand sich endlich der Platz für den Sitz der renommierten Akkademie “dei Concordi”. Die geschichtsträchtige Kirche der Heiligen Giustina wurde abgerissen und auf ihrem Platz entstand der “Piazza Minore”, der heute Piazza Giuseppe Garibaldi genannt wird; an diesem neuen, öffentlichen Platz wurden während der österreichischen Herrschaft das Städtische Theater und der Sitz der Handelkammer gebaut. Es wurden vier der sechs Stadttore abgerissen und die Gräben wurden zu öffentlichen Gehwegen umfunktioniert, um die Entwicklung der Stadt auch ausserhalb der Stadtmauern zu fördern.

Die Wirtschaft basierte noch vorrangig auf Landwirtschaft und Viehzucht; das Polesanische Pferd wurde in ganz Europa berühmt als die beste Pferderasse, um Wagen zu ziehen. Der Anschluß an das Königreich Italiens gab schlußendlich den letzten Schub für die Weiterentwicklung; im Jahr 1866 spürte die Stadt deutlich die positiven Veränderungen durch den Bau der Eisenbahnstrecke Padova-Rovigo, die sofort bis Ferrara ausgebaut wurde.
Im Jahr 1927 wurde das Gebiet der Komune ausgeweitet, indem die bis dahin autonomen Gebiete: Boara Polesine, Buso Sarzano, Sant’Apollinare mit Selva, Borsea, Grignano di Polesine und Concadirame eingemeindet wurden. Überdies begünstigte die Gründung des Lehenviertels und das neue Sanatorium die Entwicklung der nördlichen Stadt, während die Örtlichkeit Tassina im Südwesten schon zu einem Vorstadtviertel herangewachsen war.
Im Jahr 1938 wurde der Lauf des Flusses Adigetto, der inzwischen zu einem unbedeutenden Rinnsal geworden war, nach Westen umgeleitet; das Ziel war es an seiner Stelle eine großartige Zeremonienstraße im faschistischen Stil zu bauen. Dieses Projekt wurde allerdings nur teilweise umgesetzt, da es von dem Zweiten Weltkrieg unterbrochen wurde. Unter den zu dieser Zeit errichteten Gebäude stechen der “Palazzo delle Poste” (Das Postgebäude) und der “Palazzo INA” ( Italienisches Nationales Versicherungsinstitut). Die Festung wurde in der Nachkriegszeit in einen öffentlichen Park verwandelt; der Komplex der “beiden Türme”, die in der Festung überlebt hatten, wurde so zu einem Wahrzeichen der Stadt.
Zu Beginn der Jahre 1950 und 1960 kam es in Rovigo zu einem bedeutenden Aufschwung, sowohl als traditioneller landwirtschaftlicher Markt, als auch als industrielles Zentrum, das dadurch gefördert wurde, dass die Polesine zu den schwächer entwickelten Gebieten gerechnet wurde.
Es wurden die neue Pfarrei und das Stadtteil “San Pio X” gebaut, wodurch sich die Stadt nach Westen ausdehnte. Es wurde die Lehenskirche gebaut und das Viertel nach Osten erweitert. Das südöstliche Gebiet zwischen den Wohngebäuden und dem Stadtteil Borsea hat sich zu einem einheitlichen Industriegebiet entwickelt, was heute einen natürlichen Anschluß zum Hafen am Canalbianco (Weißen Kanal) hat.
Ab 1980 begann die Rückgewinnung des städtischen und architektonischen Erbes des Stadtkernes.
In jüngster Zeit haben sich das Krankenhaus im Osten und das Gewerbegebiet im Norden der Stadt weiterentwickelt, wo auch die Messe und Università entstanden sind.
Schließlich befindet sich die städtische Wiedergewinnung des ehemaligen jüdischen Ghettos, die 1930 begann, in der Schlussphase.
Da das Gebiet zu den schwächer entwickelten Gebieten gerechnet wurde, hat es in den letzten zwei Jahrzehnten des zwanzigsten Jahrhunderts so davon profitiert, dass es sich durch den wirtschaftlichen Aufschwung von der landwirtschaftlichen Abhängigkeit abnabeln konnte. Ein guter Teil der verarbeitenden Industrie hat sich so in dem Gewerbegebiet entwickeln und ansiedeln können.